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HPU – unbekannt in der Schulmedizin, längst beschrieben in der Naturheilkunde

  • Autorenbild: Sigrid Strieder
    Sigrid Strieder
  • vor 3 Minuten
  • 6 Min. Lesezeit
HPU - Stoffwechselstörung
Stoffwechselstörung HPU

Vier Fachärzte, zwei Jahre, ein Aktenordner voller Befunde – und am Ende der Satz, den so viele kennen: „Es ist alles im Normbereich." Die innere Unruhe bleibt trotzdem. Die Erschöpfung, die sich durch nichts erklären lässt. Die Haut, die von einer Woche zur anderen unvorhersehbar reagiert, ohne dass sich ein Muster erkennen lässt. Die Nägel, die brechen, obwohl längst jedes Nahrungsergänzungsmittel probiert wurde, das der Drogeriemarkt hergibt.


Wer diese Erfahrung macht, hat meist längst gelernt, mit den eigenen Beschwerden zu leben, weil niemand einen Zusammenhang findet. Genau an dieser Stelle lohnt sich ein Blick auf ein Thema, das in der Schulmedizin schlicht nicht vorkommt, in der Naturheilkunde aber seit Jahrzehnten beschrieben wird: HPU, die Hämopyrrollaktamurie, oft auch Pyrrolurie oder Kryptopyrrolurie genannt.


Was HPU eigentlich ist

HPU bezeichnet eine Stoffwechselbesonderheit, bei der vermehrt bestimmte Pyrrolverbindungen über den Urin ausgeschieden werden. Das klingt zunächst harmlos, hat aber eine Konsequenz, die weit in den restlichen Stoffwechsel hineinreicht: Diese Verbindungen binden Zink und Vitamin B6, genauer dessen aktive Form P5P, und schleusen beide ungenutzt aus dem Körper. Zwei Mikronährstoffe, die an enorm vielen Stellen gebraucht werden, gehen also im wahrsten Sinne verloren, bevor der Körper sie einsetzen kann.


Dr. Klinghardt unterscheidet dabei zwischen einer vererbten und einer erworbenen Form der HPU. Bei der einen liegt die Stoffwechselbesonderheit von Geburt an vor, bei der anderen entwickelt sie sich erst im Laufe des Lebens, etwa durch anhaltenden Stress, Umweltbelastungen oder andere Faktoren, die den Häm-Stoffwechsel dauerhaft fordern. Für die betroffene Person macht das im Alltag oft wenig Unterschied – wohl aber für die Frage, wie langfristig eine Begleitung gedacht werden sollte.


Um zu verstehen, warum das so weitreichend ist, lohnt sich ein genauerer Blick auf die beteiligten Stoffe. Zink ist Cofaktor für mehrere Hundert Enzyme im Körper – es ist beteiligt an Immunfunktion, Wundheilung, Haut- und Schleimhautaufbau, Hormonstoffwechsel und an der Bildung von Metallothionein, einem Eiweiß, das der Körper braucht, um Schwermetalle zu binden und auszuleiten. Vitamin B6 wiederum ist unter anderem an der Bildung von Neurotransmittern wie Serotonin, Dopamin, GABA und Noradrenalin beteiligt – also an allem, was mit Stimmung, innerer Ruhe und Schlaf zu tun hat. Und B6 spielt eine Schlüsselrolle in der sogenannten Transsulfurierung, jenem Stoffwechselweg, über den der Körper aus der Aminosäure Homocystein das körpereigene Antioxidans Glutathion herstellt – das zentrale Molekül der körpereigenen Entgiftung.


Fehlen Zink und B6 dauerhaft, gerät also nicht nur die Stimmung ins Wanken. Auch die Fähigkeit des Körpers, Schwermetalle und andere Belastungen zu binden und auszuleiten, wird schwächer. Das betrifft nicht nur Metallothionein und Glutathion direkt: Auch etliche Entgiftungsenzyme der Leber, die in der sogenannten Phase-I- und Phase-II-Entgiftung aktiv sind, brauchen Zink als Cofaktor, um zuverlässig zu arbeiten. Fehlt es dauerhaft, verlangsamt sich dieser gesamte Prozess – nicht dramatisch von einem Tag auf den anderen, sondern schleichend, über Jahre.


In der naturheilkundlichen Betrachtung, wie sie auch im 5-Ebenen-Ansatz nach Dr. Klinghardt eine Rolle spielt, ist das ein wichtiger Baustein: Wer über Jahre unter einer unerkannten HPU lebt, kann parallel eine stille Entgiftungsschwäche entwickeln, die sich wiederum auf viele andere Bereiche auswirkt – von der Belastbarkeit des Nervensystems bis zur Reaktion auf Umweltfaktoren, die andere Menschen offenbar mühelos wegstecken. Wichtig ist dabei die Einordnung: Die Schulmedizin kennt das Konzept HPU nicht, sucht folglich nicht danach und behandelt es dementsprechend auch nicht. In der Naturheilkunde dagegen ist es kein Randthema, sondern seit vielen Jahren beschrieben und in der Praxis immer wieder Thema – ein Konzept, das eher an fehlender Sichtbarkeit im Kassensystem krankt als an fehlender Erfahrung derer, die täglich damit arbeiten.


Ein Bild, das zu vielen passt

Das Tückische an HPU ist das Symptombild selbst: Es ist unspezifisch und lässt sich auf den ersten Blick fast überall einordnen. Innere Unruhe und Reizbarkeit. Stimmungsschwankungen, die sich nicht an offensichtlichen Auslösern festmachen lassen. Konzentrationsprobleme und eine Erschöpfung, die sich nach dem Aufwachen kaum besser anfühlt als am Abend zuvor. Dazu kommen häufig Schlafprobleme, eine erhöhte Licht- oder Geräuschempfindlichkeit, brüchige Nägel mit auffälligen weißen Flecken, Hautprobleme, eine schlechte Wundheilung und eine gewisse Anfälligkeit für Infekte. Wichtig dabei: Niemand muss all diese Merkmale gleichzeitig zeigen, um über eine HPU nachzudenken. Meist ist es eine individuelle Auswahl aus diesem Bild, die über Jahre immer wiederkehrt, während andere der genannten Punkte gar keine Rolle spielen.


Jedes dieser Symptome für sich genommen führt selten zu HPU als Erklärung – zu unspezifisch, zu leicht anderen Ursachen zuzuordnen. Erst die Kombination und der jahrelange, oft schwankende Verlauf lassen aufhorchen. Manche Betroffene berichten zudem von einer auffälligen Stressintoleranz: Situationen, die andere Menschen ohne größere Reaktion durchstehen, wirbeln bei ihnen das gesamte System durcheinander, körperlich wie emotional. Das lässt sich gut erklären, wenn man bedenkt, dass der Körper in Stresssituationen ohnehin mehr Zink und B6 verbraucht – bei einer HPU trifft das auf einen Vorrat, der ohnehin schon knapp ist.


Betroffen sind dabei keineswegs nur erschöpfte Frauen mittleren Alters, auch wenn dieses Bild in vielen Beschreibungen im Vordergrund steht. HPU zeigt sich ebenso bei Männern, bei jüngeren Erwachsenen und, das ist bemerkenswert, häufig auch im Zusammenhang mit ADHS-Diagnosen. Der Zusammenhang liegt nahe: Ein Mangel an B6 und Zink trifft direkt die Neurotransmitter, die für Konzentration, Impulskontrolle und innere Ruhe zuständig sind. Das bedeutet nicht, dass HPU die Ursache für ADHS ist – aber es lohnt sich, bei entsprechenden Symptomkombinationen, gerade wenn medikamentöse oder verhaltenstherapeutische Ansätze allein nicht den erhofften Effekt zeigen, den Stoffwechsel mit in den Blick zu nehmen.


Der Weg zum Befund

Weil HPU in der Schulmedizin nicht als Diagnose existiert, gibt es dafür auch keinen Test beim Hausarzt. Ein erster Hinweis kann sich aus einem Blutbild ergeben, wenn Zink oder B6 auffällig niedrig liegen – das allein ist allerdings nur ein unsicherer Anhaltspunkt, denn ein Nährstoffmangel im Blut kann viele Ursachen haben.


Im Ansatz nach Dr. Klinghardt gibt es einen zweiten, direkteren Weg: die Autonome Reaktionstestung (ART), ein kinesiologisches Testverfahren, mit dem in diesem Modell gezielt nach Belastungen und Funktionsstörungen im Körper gesucht wird – HPU eingeschlossen. In der Praxis nach Klinghardt gilt die ART als eigenständiges diagnostisches Verfahren; der Laborbefund dient hier als zusätzliche Absicherung, als eine Art Zweitmeinung. Für alle, die keine kinesiologische Testung wünschen oder sie erstmalig nicht in Anspruch nehmen, ist die Laboranalyse der eigenständig tragfähige Weg zur Abklärung.


Für diese Laboranalyse arbeite ich mit dem Labor KEAC in den Niederlanden zusammen, das sich eigens auf die HPU-Diagnostik spezialisiert hat. Der Test weist im Urin den sogenannten HHPL-Komplex nach – jene Pyrrolverbindungen, die für die vermehrte Bindung von Zink und B6 verantwortlich sind. Weil diese Verbindungen licht- und temperaturempfindlich sind, folgen Probenentnahme, Lagerung und Versand genauen Vorgaben, damit das Ergebnis zuverlässig ist. Fällt der Test positiv aus, gilt die HPU als bestätigt: Damit ist Schluss mit Vermutungen, und die Grundlage für eine gezielte Begleitung ist gelegt.


Auf dieser gesicherten Grundlage lohnt sich dennoch ein Blick auf das gesamte Umfeld: die aktuelle Symptomatik, die Ernährung, die Stressbelastung, eingenommene Medikamente, die Darmgesundheit, mögliche Entzündungsmarker, die Schilddrüsenfunktion sowie der Status von Eisen, Vitamin D und weiteren B-Vitaminen. Nicht um die HPU selbst noch einmal infrage zu stellen, sondern um die individuelle Strategie so passgenau wie möglich zu gestalten – denn zwei Menschen mit bestätigter HPU können ganz unterschiedliche Begleitfaktoren mitbringen, die in der Behandlung berücksichtigt werden sollten.


Der naturheilkundliche Weg

Steht eine HPU im Raum, verschiebt sich der Blick von der Frage „Wie behandle ich das einzelne Symptom?" hin zu „Was braucht dieser Stoffwechsel, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen?". Der Ausgleich von Zink und B6 spielt dabei eine zentrale Rolle, wird in der naturheilkundlichen Praxis aber nie isoliert betrachtet, sondern eingebettet in eine individuelle Strategie: die Ernährung wird angepasst, mit Fokus auf ausreichend Eiweiß, Gemüse, Nüsse und Samen als natürliche Zink- und B6-Quellen. Schlaf, Stressregulation, Darmgesundheit und Bewegung werden mit einbezogen, weil sie den Bedarf an diesen Mikronährstoffen zusätzlich beeinflussen. Und weil eine mögliche Entgiftungsschwäche mitgedacht werden muss, wird auch geschaut, welche zusätzlichen Belastungen – etwa durch Schwermetalle oder andere Umweltfaktoren – eine Rolle spielen könnten.


Diese Herangehensweise braucht Zeit und eine gründliche Anamnese. Sie bietet aber die Chance, nicht länger einzelne Symptome zu jagen, sondern der Ursache auf den Grund zu gehen, die viele Jahre unentdeckt bleiben kann.


Wichtig ist dabei auch das Tempo: Ein über Jahre bestehendes Ungleichgewicht lässt sich nicht in wenigen Wochen ausgleichen. Der Körper braucht Zeit, um seine Speicher wieder aufzufüllen und die betroffenen Stoffwechselwege neu zu stabilisieren. Wer das weiß, geht gelassener mit dem eigenen Heilungsprozess um, statt nach kurzer Zeit enttäuscht aufzugeben, weil sich noch nicht alles verändert hat. Genauso gehört zu einer seriösen Begleitung, regelmäßig zu überprüfen, ob die gewählte Strategie tatsächlich greift, und sie bei Bedarf anzupassen – Stoffwechsel ist kein statischer Zustand, sondern verändert sich mit Lebensphasen, Belastungen und äußeren Einflüssen.


Ein Puzzleteil, das die Suche lohnt

Wer seit Langem das Gefühl hat, dass die eigenen Beschwerden nicht zusammenpassen wollen, obwohl alle Befunde unauffällig sind, findet in HPU vielleicht nicht die einzige, aber eine bislang übersehene Erklärung. Es lohnt sich, genauer hinzuschauen – gerade weil die Schulmedizin dieses Puzzleteil bislang gar nicht in Betracht zieht.


PS: Wenn du dich in diesem Artikel wiedererkennst und wissen möchtest, ob eine HPU bei dir eine Rolle spielen könnte, melde dich gerne für ein Gespräch in der Praxis. Gemeinsam schauen wir uns dein Beschwerdebild und die passende Diagnostik in Ruhe an.


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